Dr. Olaf Thomsen
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Die letzten Weisen
Die Botschaften der Bäume
Eine Lesung von Dr. Olaf Thomsen

„In ihren Wipfeln rauscht die Welt, ihre Wurzeln ruhen im Unendlichen; allein sie verlieren sich nicht darin, sondern erstreben mit aller Kraft ihres Lebens nur das Eine: ihr eigenes, in ihnen wohnendes Gesetz zu erfüllen, ihre eigene Gestalt auszubauen, sich selbst darzustellen. Nichts ist heiliger, nichts ist vorbildlicher als ein schöner, starker Baum.“ (Hermann Hesse)

Das Aspirin verdankt seine Existenz der Korbweide – unter ihrer Rinde schlummert die Salizylsäure, die zu Tabletten verarbeitet wird. Wir wissen es lange: Die Bedeutung von Bäumen übersteigt den praktischen Nutzen von Tannennadelgeruch in der Badewanne bei weitem. Oder was hätte beim Richtfest das kleine Fichtenbäumchen auf den Dachfirst sonst zu suchen? Auch die Birke als Maibaum macht sich immer noch gut – und weist ursprünglich auf Fruchtbarkeitsrituale: Für die Kelten war sie das Symbol der Hauptgöttin unserer Vorfahren.

Die Lesung von Dr. phil Olaf Thomsen berichtet vom Zauber der Bäume: von „Elfenlöchern“ – geteilten Baumstämmen, die ehemals als besonders heilsam galten – bis zu „Schicksalsbäumen“, aus deren Holz Schiffe gebaut wurden; vom Ginkgo, seit dem Altertum als heiliger Baum verehrt und neuerdings zum „Baum des Jahrtausends" gekürt, bis zur Buche, die die Germanen der Göttin Freyja widmeten; von der Eiche, die die Griechen an Zeus und die Römer an Jupiter vergeben haben, bis zum Apfelbaum, dessen Früchte für ewige Jugend stehen.

Dr. Olaf Thomsen ist freier Autor. Schwerpunkt seiner zahlreichen Arbeiten ist die Kulturgeschichte.